Aphrodisierende Tees können die Lust steigern
Aphrodisierende Tees können die Lust steigern

Seit Jahrtausenden ranken sich Geschichten um Pflanzen, die das Verlangen entfachen sollen. Die alten Griechen schworen auf bestimmte Kräuter, die Azteken bereiteten geheime Elixiere zu, und in der traditionellen chinesischen Medizin spielen aphrodisierende Substanzen bis heute eine wichtige Rolle. Doch was bleibt von diesen Versprechen übrig, wenn moderne Wissenschaft den Blick auf die dampfende Tasse richtet?

Dieser Artikel beleuchtet das faszinierende Feld der sogenannten aphrodisierenden Tees. Dabei steht eine ehrliche Bestandsaufnahme im Vordergrund: Welche Substanzen zeigen tatsächlich Effekte in wissenschaftlichen Studien? Wo liegen die Grenzen der Forschung? Und was bedeutet das alles für den Genuss und die Lust im Alltag?

Was macht ein Aphrodisiakum überhaupt aus?

Der Begriff stammt von Aphrodite, der griechischen Göttin der Liebe. Ein Aphrodisiakum bezeichnet eine Substanz, die das sexuelle Verlangen steigert, die Erregung fördert oder die sexuelle Leistungsfähigkeit verbessert. Klingt simpel, ist in der Praxis jedoch hochkomplex.

Sexuelles Wohlbefinden entsteht aus einem Zusammenspiel zahlreicher Faktoren: Hormone, Neurotransmitter, Durchblutung, Stresslevel und psychisches Befinden wirken zusammen. Ein pflanzlicher Wirkstoff kann theoretisch an verschiedenen Stellschrauben drehen. Die Wissenschaft unterscheidet dabei verschiedene Wirkmechanismen: Manche Substanzen beeinflussen den Blutfluss zu den Genitalien, andere modulieren Hormone oder Neurotransmitter, wieder andere reduzieren Stress und Ängste.

Stickstoffmonoxid (NO) spielt bei der sexuellen Erregung eine Schlüsselrolle. Es entspannt die glatte Muskulatur in den Blutgefäßen und ermöglicht so eine verbesserte Durchblutung. Genau hier setzen bekannte Medikamente wie Sildenafil (Viagra) an. Einige pflanzliche Wirkstoffe scheinen ähnliche, wenn auch deutlich schwächere Mechanismen zu nutzen.1

Die Herausforderung der Forschung

Bevor einzelne Teekräuter unter die Lupe genommen werden, sollte eines klar sein: Die wissenschaftliche Evidenz für natürliche Aphrodisiaka ist generell begrenzt. Viele Studien leiden unter methodischen Schwächen. Kleine Teilnehmerzahlen, fehlende Verblindung und kurze Studiendauern erschweren eindeutige Schlussfolgerungen.

Hinzu kommt der mächtige Placebo-Effekt. Wer glaubt, etwas Wirksames einzunehmen, erlebt oft eine Verbesserung. Bei einem so psychologisch geprägten Thema wie Sexualität wiegt dieser Faktor besonders schwer. Das macht pflanzliche Mittel nicht wertlos. Es bedeutet jedoch, dass übertriebene Versprechen mit Vorsicht zu genießen sind.

Eine systematische Übersichtsarbeit im Pharmacognosy Reviews fasst die Problematik zusammen: Obwohl zahlreiche Pflanzen vielversprechende Ergebnisse in Tierstudien zeigen, fehlt es an hochwertigen klinischen Studien am Menschen.2

Die besten aphrodisierende Tees im Überblick

Nachfolgend eine Auswahl der besten aphrodisierende Tees und was die Wissenschaft dazu sagt.

Ginseng: Der asiatische Klassiker

Ginseng gilt seit über 5.000 Jahren als Tonikum für Vitalität und Lebenskraft. In der traditionellen chinesischen Medizin zählt die Wurzel zu den wichtigsten Heilmitteln. Doch hält die Pflanze, was die Tradition verspricht?

Eine Cochrane-Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 analysierte alle verfügbaren randomisierten kontrollierten Studien zu Ginseng und erektiler Dysfunktion. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Basierend auf Evidenz mit überwiegend niedriger Qualität zeigt Ginseng möglicherweise nur triviale Effekte auf die erektile Funktion. Allerdings könnte die Wurzel die selbstberichtete Fähigkeit zum Geschlechtsverkehr verbessern.3

Eine frühere Meta-Analyse von 2008 mit sieben Studien kam zu etwas positiveren Schlüssen: Roter koreanischer Ginseng zeigte signifikante Effekte bei Männern mit erektiler Dysfunktion, besonders bei psychogenen Ursachen. Jedoch räumten die Autoren ein, dass die Studienqualität insgesamt zu niedrig war, um definitive Aussagen zu treffen.4

Für den Teegenuss bedeutet das: Ginseng-Tee könnte einen kleinen Beitrag leisten, Wunder sollte jedoch niemand erwarten. Die Wurzel gilt als sicher, sollte aber nicht länger als drei Monate am Stück eingenommen werden.

Maca: Das peruanische Viagra?

Die Maca-Wurzel stammt aus den peruanischen Anden und trägt den Beinamen "peruanisches Viagra". Diese Bezeichnung weckt hohe Erwartungen. Können sie erfüllt werden?

Eine systematische Übersichtsarbeit von 2010 identifizierte vier randomisierte kontrollierte Studien. Zwei davon zeigten signifikante positive Effekte auf das sexuelle Verlangen bei gesunden Männern und postmenopausalen Frauen. Eine Studie bei Radfahrern fand hingegen keinen Effekt.5

Besonders interessant: Maca scheint das sexuelle Verlangen unabhängig von Hormonveränderungen zu steigern. In einer 12-wöchigen placebokontrollierten Studie verbesserte sich das sexuelle Verlangen bei Männern nach acht Wochen signifikant. Die Testosteron- und Östradiol-Spiegel blieben dabei unverändert.6

Vielversprechend sind auch Studien zu Antidepressiva-induzierter sexueller Dysfunktion. Bei Frauen, die unter Nebenwirkungen von SSRI-Medikamenten litten, zeigte Maca in einer doppelblinden Studie positive Effekte, insbesondere bei postmenopausalen Teilnehmerinnen.7

Urologen betonen jedoch: Die Effekte sind bescheiden. Maca ist kein Viagra im Smoothie-Format, sondern eher ein sanfter Anstoß über mehrere Wochen hinweg. Der Placebo-Effekt könnte einen erheblichen Anteil ausmachen.8

Safran: Das rote Gold der Liebenden

Safran zählt zu den teuersten Gewürzen der Welt. In der traditionellen Medizin vieler Kulturen gilt es als Aphrodisiakum. Was sagt die Wissenschaft?

Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse von 2019, die fünf Studien mit 173 Teilnehmern einschloss, fand statistisch signifikante positive Effekte von Safran auf sexuelle Dysfunktion bei Männern und Frauen.9

Eine weitere Meta-Analyse zu erektiler Dysfunktion zeigte signifikante Verbesserungen in allen Bereichen des International Index of Erectile Function: Erektionsfähigkeit, Orgasmusfunktion, Gesamtzufriedenheit und sexuelles Verlangen.10

Eine klinische Studie von 2022 untersuchte Safran bei Frauen mit schwerer sexueller Dysfunktion. Nach sechs Wochen zeigte die Safran-Gruppe eine bemerkenswerte Verbesserung von 62% gegenüber dem Ausgangswert. Besonders die Bereiche Verlangen, Lubrikation und Zufriedenheit profitierten.11

Die Wirkstoffe Crocin und Safranal scheinen mehrere Mechanismen zu aktivieren: Sie können die Durchblutung verbessern, antidepressiv wirken und Schmerzen lindern. Ein Safran-Tee könnte daher durchaus einen Beitrag zum sexuellen Wohlbefinden leisten, auch wenn hochwertiger Safran seinen Preis hat.

Ashwagandha: Das indische Adaptogen

Ashwagandha (Withania somnifera) gehört zu den wichtigsten Heilpflanzen des Ayurveda (erfahre hier mehr über den ayurvedischen Tee). Die Wurzel gilt als Adaptogen, also als Substanz, die dem Körper hilft, mit Stress umzugehen. Da Stress ein häufiger Lustkiller ist, erscheint die Verbindung logisch.

Bei DM gibt es den Ashwagandha Balance Tee zu kaufen. Die luststeigernde Wirkung steht hier nicht im Mittelpunkt, sondern die Stressreduktion.
Bei DM gibt es den Ashwagandha Balance Tee zu kaufen. Die luststeigernde Wirkung steht hier nicht im Mittelpunkt, sondern die Stressreduktion.

Eine Pilotstudie von 2015 untersuchte Ashwagandha bei 50 Frauen mit sexueller Dysfunktion. Die Ergebnisse waren ermutigend: Signifikante Verbesserungen zeigten sich bei Erregung, Lubrikation, Orgasmus und Zufriedenheit. Die Behandlung wurde gut vertragen.12

Auch bei Männern zeigten sich positive Effekte. Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie von 2022 mit 50 Teilnehmern fand heraus, dass Ashwagandha-Extrakt das männliche Verlangen effektiv steigerte. Die Testosteron- und Prolaktinspiegel blieben dabei im Normbereich.13

Eine aktuelle Studie von 2025 bestätigte diese Ergebnisse bei 100 gesunden Männern: Ashwagandha verbesserte die Orgasmusfunktion, das sexuelle Verlangen und die allgemeine sexuelle Zufriedenheit nach achtwöchiger Einnahme.14

Die Wirkung von Ashwagandha scheint primär über Stressreduktion und möglicherweise GABA-Rezeptoren zu vermitteln werden. Wer unter stressbedingter Lustlosigkeit leidet, könnte hier mit einem Ashwagandha Tee einen interessanten Ansatz finden.

Damiana: Das mexikanische Liebeselixier

Damiana (Turnera diffusa) blickt auf eine lange Geschichte als Aphrodisiakum zurück. Die Maya nutzten die Pflanze bereits vor Jahrhunderten. Doch was weiß die moderne Wissenschaft?

Die Evidenzlage ist hier dünner als bei anderen Kräutern. Tierstudien zeigen vielversprechende Ergebnisse: Ein wässriger Extrakt von Damiana konnte das Sexualverhalten bei sexuell erschöpften männlichen Ratten wiederherstellen. Die Wirkung war vergleichbar mit Yohimbin, einem bekannten Aphrodisiakum.15

Interessant ist der mögliche Wirkmechanismus: Damiana-Extrakte zeigten in Laborversuchen eine Hemmung der Phosphodiesterase-5, des gleichen Enzyms, das auch Viagra blockiert. Zudem weisen die enthaltenen Flavonoide Pinocembrin und Acacetin eine Anti-Aromatase-Aktivität auf, was theoretisch den Testosteronspiegel anheben könnte.16

In Deutschland ist ein Damiana-Blattextrakt als einzige zugelassene pflanzliche Option zur Behandlung von sexueller Funktionsstörung bei Frauen (FSIAD) verfügbar. Eine Studie zeigte, dass individuelle Symptome verbessert werden können.17

Allerdings fehlen nach wie vor große, qualitativ hochwertige klinische Studien am Menschen. Die traditionelle Nutzung und die vielversprechenden präklinischen Daten rechtfertigen weiteres Interesse, aber keine übertriebenen Erwartungen.

Schwarztee und grüner Tee: Die alltäglichen Begleiter

Auch der klassische Tee aus der Camellia sinensis Pflanze taucht in der wissenschaftlichen Literatur auf. Eine Studie aus Sri Lanka zeigte, dass schwarzer Tee das Sexualverhalten bei Ratten verbessern könnte, möglicherweise durch Angstreduktion und eine Erhöhung des Testosteronspiegels.18

Die Studienlage ist allerdings sehr begrenzt, und es wäre voreilig, daraus Empfehlungen abzuleiten. Der entspannende Effekt des Teetrinkens, vermittelt durch die Aminosäure L-Theanin, könnte jedoch indirekt zum Wohlbefinden beitragen.

Ingwer und Gewürze: Wärme von innen

Ingwer wird traditionell mit Wärme, Energie und Vitalität assoziiert. Einige Studien deuten darauf hin, dass die Wurzel die Durchblutung fördern und antioxidativ wirken kann.

Ingwer wärmt von Innen und ein Ingwertee ist einfach selbst gemacht, man braucht nur eine Ingwerknolle
Ingwer wärmt von Innen und ein Ingwertee ist einfach selbst gemacht, man braucht nur eine Ingwerknolle

Allerdings wirkt Ingwer nicht direkt auf das sexuelle Verlangen, sondern möglicherweise indirekt über verbesserte Zirkulation. Ein wärmender Ingwertee an einem kalten Abend mag durchaus zur Stimmung beitragen, wissenschaftlich gesicherte aphrodisierende Effekte sind jedoch nicht belegt.

Ähnliches gilt für andere Gewürze wie Zimt, Kardamom oder Nelken. Sie können das sinnliche Erlebnis des Teetrinkens bereichern, direkte wissenschaftliche Belege für luststeigernde Wirkungen fehlen jedoch weitgehend.

Ginkgo biloba: Für Kopf und Körper?

Ginkgo ist vor allem als Mittel für bessere Konzentration bekannt. Durch seine gefäßerweiternden Eigenschaften wird manchmal auch eine Wirkung auf die sexuelle Funktion postuliert. Die Pflanze kann die Durchblutung verbessern, indem sie die Blutgefäße erweitert.

Die Studienlage zur sexuellen Funktion ist jedoch uneinheitlich. Experten warnen: Ginkgo allein wird wahrscheinlich nicht viel bewirken. Die Kombination mit anderen Maßnahmen und eine ärztliche Beratung sind empfehlenswert, bevor Hoffnungen geweckt werden, die nicht erfüllt werden können.

Was bedeutet das für die Praxis?

Nach diesem Durchgang durch die Forschungslandschaft kristallisieren sich einige Erkenntnisse heraus:

Erstens: Es gibt tatsächlich pflanzliche Substanzen, die in wissenschaftlichen Studien messbare Effekte auf die sexuelle Funktion gezeigt haben. Safran, Maca und Ashwagandha verfügen über die solideste Evidenzbasis. Ginseng zeigt gemischte Ergebnisse, und Damiana ist vielversprechend, aber noch unzureichend erforscht.

Zweitens: Alle Effekte sind bescheiden im Vergleich zu pharmazeutischen Präparaten. Niemand sollte erwarten, dass ein Kräutertee die Wirkung von Medikamenten erreicht. Die Pflanzen können möglicherweise unterstützend wirken, ersetzen aber keine medizinische Behandlung bei echten Funktionsstörungen.

Drittens: Der Placebo-Effekt ist nicht zu unterschätzen. Das Ritual des Teetrinkens selbst, die Erwartungshaltung und die Zeit, die dafür genommen wird, können zum Wohlbefinden beitragen. Diese psychologischen Aspekte sind nicht weniger real, nur weil sie nicht rein pharmakologisch sind.

Viertens: Zeit ist ein wichtiger Faktor. Die meisten Studien zeigen Effekte erst nach mehreren Wochen regelmäßiger Einnahme. Wer auf einen schnellen Effekt nach einer Tasse hofft, wird enttäuscht werden.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Die meisten der besprochenen Kräuter gelten als gut verträglich. Dennoch sind einige Vorsichtsmaßnahmen geboten.

Ginseng sollte nicht länger als drei Monate am Stück eingenommen werden. Wechselwirkungen mit blutverdünnenden Medikamenten sind möglich. Safran ist in kulinarischen Mengen unbedenklich, hohe Dosierungen sollten jedoch vermieden werden. Ashwagandha kann mit Schilddrüsenmedikamenten interagieren. Damiana gilt als sicher, die Langzeitanwendung ist jedoch nicht ausreichend untersucht.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme vorab mit einem Arzt oder einer Ärztin zu sprechen. Schwangere und Stillende sollten besonders vorsichtig sein, da für viele Kräuter keine ausreichenden Sicherheitsdaten vorliegen.

Fazit: Die Wahrheit liegt in der Tasse

Existieren aphrodisierende Tees? Die Antwort ist ein differenziertes Ja mit vielen Einschränkungen. Bestimmte Kräuter wie Safran, Maca und Ashwagandha zeigen in wissenschaftlichen Studien messbare, wenn auch bescheidene Effekte auf verschiedene Aspekte der sexuellen Funktion. Diese Effekte entwickeln sich meist erst über mehrere Wochen, und der Placebo-Effekt spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Die Forschung steht noch am Anfang. Viele traditionell genutzte Pflanzen wurden bisher nicht in hochwertigen klinischen Studien am Menschen untersucht. Was in Tierstudien vielversprechend aussieht, übersetzt sich nicht automatisch in Effekte beim Menschen.

Für Teeliebhaber bedeutet das: Ein Aufguss aus Safran, Ashwagandha oder Maca kann durchaus Teil eines ganzheitlichen Ansatzes für sexuelles Wohlbefinden sein. Die Erwartungen sollten jedoch realistisch bleiben. Mindestens ebenso wichtig wie der Inhalt der Tasse sind Entspannung, Kommunikation mit dem Partner oder der Partnerin, ausreichend Schlaf und ein gesunder Lebensstil.

Am Ende ist vielleicht das Schönste am Ritual des Teetrinkens die Zeit, die dafür genommen wird. In einer hektischen Welt kann genau diese Entschleunigung der beste Weg sein, sich auf das Wesentliche einzustimmen.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei sexuellen Funktionsstörungen sollte stets ein Arzt oder eine Ärztin konsultiert werden. Die genannten Studien haben unterschiedliche methodische Qualitäten, und die Ergebnisse sollten mit Vorsicht interpretiert werden.

Quellen und Verweise