Die Tee-Trends für das Jahr 2026

Kaum ein Getränk blickt auf eine so reiche und bewegte Geschichte zurück wie der Tee. Seit mehr als fünftausend Jahren begleitet er die Menschheit. Von den nebelverhangenen Bergregionen Chinas, wo einer Legende nach dem Kaiser Shennong zufällig ein Teeblatt in sein heißes Wasser wehte, über die raffinierten Teezeremonien Japans bis hin zu den eleganten Salons der britischen Aristokratie. In jeder Epoche hat der Tee neue Facetten offenbart und sich den Vorlieben seiner Zeit angepasst: Ob als meditatives Ritual, als Symbol kolonialer Macht oder als alltäglicher Muntermacher. Er war stets mehr als nur ein Aufgussgetränk! Auch heute steht der Tee nicht still. Im Gegenteil: Eine neue Generation von Teeliebhabern entdeckt das uralte Getränk neu und formt es nach ihren eigenen Werten und Wünschen. Welche Trends die Teetassen aktuell prägen und wohin die Reise für das wohl vielseitigste Getränk der Welt geht, zeige ich in diesem Artikel.

WICHTIG: Natürlich kann ich auch nicht in die Zukunft schauen. Die nachfolgenden Tee-Trends für dieses Jahr sind damit natürlich auch Vermutungen und Ableitungen von Entwicklungen die man schon sehen oder erahnen kann. Solltest du selbst noch eine Idee haben, in welche Richtung Tee sich entwickeln und so ein neuer Tee-Trend entstehen kann, dann schreibe mir gerne jederzeit.

Functional Tea 2.0

Tees die einen bestimmten gesundheitliches Versprechen geben, gibt es schon seit längerer Zeit. Egal ob es nun bestimmte Detox-Tees zum Entgiften, Schlaf-Tees für eine geruhsamere Nacht, Tees zum Abnehmen oder die alt bekannten Gesundheittees (wie beispielsweise Tees gegen Husten, Tees gegen Bauchschmerzen oder auch Tees gegen Halsschmerzen) sind. Auch 2026 wird wahrscheinlich wieder ein Jahr dieser „Functional Teas“. Und da in unserer heutigen Zeit alles schneller, höher und besser werden muss, wird auch bei diesen Tees die Versprechen in diese Runde gehen – eben Functional Tea 2.0 (siehe auch Stichwort „Neuro-Nutrition“). Insbesondere in einer Welt die immer schneller, komplexer und dank künstlicher Intelligenz auch digitaler wird, kann Tee ein guter Kontrast dazu bieten.

Hier wird es auch sehr spezielle Tees geben. So ist der Kombucha schon lange bekannt, die darin enthaltenen Postbiotika können aber in 2026 ganz neue kreative Teesorten entstehen lassen.

„Schicht-Tee“ – Instagrammable Tea

Schon heute überfluten Matcha-Bilder die sozialen Medien. Tee ist gerade in der jungen Zielgruppe ein Lifestyle-Produkt geworden. Häufig kommt es weniger auf den Geschmack als vielmehr die Optik an. Was die letzten Jahre schon begonnen hat, wird sich 2026 fortsetzen und vielleicht (auch durch KI) zu einem Höhepunkt kommen. Ästhetisch ansprechende Tee-Kreationen in Gläsern, die durch unterschiedliche Dichten, Farben und Texturen von Sirupen, Tees, Schäumen und floralen Garnituren geschichtet werden, sollen die Follower verzaubern. Eigentlich nichts neues, denn neben Matcha kann dies auch schon heute der Butterfly Pea Flower Tea (Clitoria Ternatea) und tatsächlich wird dieser auch schon vereinzelt als „blauer Matcha“ vermarktet, ich gehen davon aber aus, dass dies noch einmal deutlich stärker wird im nächsten Jahr.

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Tee als Entschleunigungsritual

Ich hatte es oben schon angesprochen, die Welt wird zunehmend komplexer und schneller. Menschen werden sich nach Erdung sehen und hier mehr und mehr den Tee für sich entdecken. Während der Kaffee heutzutage auch noch häufig mit Arbeit verbunden ist, kann der Tee hier aus seiner Nische hervortreten. Tee-Meditation und Tee-Zeremonien können so 2026 für mehr Menschen zugänglich werden.

Regionaler Tee-Anbau

Klimatische Veränderungen können den Teeanbau bald auch in Regionen möglich machen, wo das bisher nie der Fall war. Schon jetzt geht der Trend aber zu einem lokalen Tee-Anbau. Seit 2022 kultiviert beispielsweise Growing Karma die Camellia sinensis in Deutschland. Im Jahr 2025 erfolgte ein erfolgreiche Crowdfunding Kampagne mit dem Thema „Matcha made in Germany“. Wir werden diese Versuche auch 2026 verstärkt sehen, um den Tee greifbarer zu machen.

Smart Tea Farming wird noch smarter

Ein Tee-Trend für 2026 ist der Schritt hin zu „Smart Tea Farming“, bei dem Teeanbau und Ernte zunehmend datengetrieben und automatisiert ablaufen: Plantagen setzen vernetzte IoT-Sensoren, Kamerasysteme und Drohnenbilder ein, um per Machine Learning Krankheiten und Schädlinge früher zu erkennen als durch reine Feldkontrollen, und gleichzeitig Erträge robuster vorherzusagen – etwa durch die Kombination von UAV-Aufnahmen, Wetterdaten und weiteren Indikatoren. Bei der Ernte gewinnt „selektives Pflücken“ an Bedeutung: Computer-Vision-Modelle identifizieren Knospen und Stängelstrukturen und unterstützen Robotik dabei, präzise Pflücksequenzen zu planen, was Arbeitskräftemangel und steigende Kosten abfedern soll. Parallel wird die Qualitätsbewertung digitalisiert: hyperspektrale Bildgebung, Nahinfrarot-Spektroskopie sowie „elektronische Nase/Zunge“ und Multisensor-Fusion standardisieren die Einstufung von Blattqualität und chemischen Eigenschaften (statt rein subjektiver Verkostung). Häufig direkt am Feldrand über Edge-Geräte mit leichten Modellen wie MobileNetV2 oder AutoML-Workflows. Wer mehr erfahren möchte, kann beispielsweise einmal in die im Oktober 2025 veröffentlichte Studie: „Machine learning in tea industry: data-driven approaches for quality and sustainability“ reinschauen.