
Die morgendliche Tasse Tee ist für Millionen Menschen weltweit mehr als nur ein Ritual. Sie symbolisiert Ruhe, Genuss und das Versprechen von Wohlbefinden. Doch kann dieses uralte Getränk tatsächlich beim Abnehmen helfen? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler seit Jahrzehnten, und die Antwort ist komplexer, als viele Werbeversprechen glauben machen wollen.
Eines vorweg: Tee ist kein Wundermittel. Wer erwartet, durch das bloße Trinken einiger Tassen täglich signifikant abzunehmen, wird enttäuscht werden. Dennoch zeigt die wissenschaftliche Forschung, dass bestimmte Teeinhaltsstoffe den Stoffwechsel beeinflussen können. Die Effekte fallen jedoch bescheidener aus, als es die Werbung suggeriert.
Die besten Tee-Sorten zum Abnehmen
Nachfolgend findet man die besten Tees zum Abnehmen.
Grüner Tee: Der wissenschaftlich am besten untersuchte Kandidat
Kein anderer Tee wurde so intensiv erforscht wie der grüne Tee. Sein Ruf als Schlankmacher basiert auf den enthaltenen Catechinen, insbesondere dem Epigallocatechingallat, kurz EGCG. Dieser Pflanzenstoff macht bis zu 80 Prozent der Catechine im grünen Tee aus und steht im Zentrum zahlreicher Studien.
Eine umfassende systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024, die klinische Studien zwischen 2016 und 2024 auswertete, kam zu einem differenzierten Ergebnis: Von 14 analysierten Studien zeigten 11 (78,5 Prozent) eine Wirksamkeit von Grüntee-Supplementierung bei der Gewichts- und BMI-Reduktion. Allerdings kombinierten neun dieser Studien die Teeeinnahme mit Sport.1
Eine Meta-Analyse im British Journal of Nutrition, die 59 randomisierte kontrollierte Studien mit 3.802 Teilnehmern untersuchte, bestätigte statistisch signifikante Reduktionen bei Körpergewicht, Körperfettanteil und BMI durch Grüntee-Extrakt-Supplementierung. 2
Wie groß sind diese Effekte nun konkret? Eine Cochrane-Übersichtsarbeit, die Studien mit mindestens 12 Wochen Dauer analysierte, fand bei Studien außerhalb Japans einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von lediglich 0,04 Kilogramm im Vergleich zu Placebo. Japanische Studien zeigten Gewichtsverluste zwischen 0,2 und 3,5 Kilogramm. Diese erhebliche Variabilität deutet darauf hin, dass genetische, kulturelle oder ernährungsbedingte Faktoren eine Rolle spielen könnten.3
Wie erklärt die Wissenschaft diese Effekte? Catechine hemmen das Enzym Catechol-O-Methyltransferase (COMT), das Noradrenalin abbaut. Durch diese Hemmung bleibt Noradrenalin länger aktiv, was die Thermogenese und Fettoxidation steigern kann. Zusätzlich scheinen Catechine die Aufnahme von Fetten im Darm zu reduzieren und die Fettverbrennung auf zellulärer Ebene anzukurbeln.
Oolong-Tee: Die goldene Mitte zwischen Grün und Schwarz
Oolong, der halbfermentierte Tee aus China und Taiwan, vereint Eigenschaften von grünem und schwarzem Tee. Seine teilweise Oxidation (zwischen 10 und 70 Prozent) verleiht ihm ein einzigartiges Geschmacksprofil und möglicherweise auch besondere metabolische Eigenschaften.
Eine Vergleichsstudie verschiedener Teesorten an Ratten kam zu einem überraschenden Ergebnis: Oolong-Tee war am effektivsten bei der Gewichtsreduktion unter allen untersuchten Teesorten. Die Forscher führen dies auf spezifische Veränderungen im Gallensäurestoffwechsel zurück. 4
Eine japanische Studie der Universität Tsukuba untersuchte die Fettverbrennung beim Menschen und fand heraus, dass der Konsum von zwei Tassen Oolong-Tee täglich die Fettverbrennung auch im Ruhezustand und während des Schlafs steigert. Interessanterweise beeinträchtigte der Koffeingehalt des Tees die Schlafqualität nicht. 5
Klinische Studien zeigen, dass Oolong-Tee den Energieverbrauch um etwa 2,9 Prozent steigern kann.6 In einer Studie mit 102 übergewichtigen chinesischen Männer und Frauen verloren 70% der Teilnehmer/innen über einen Zeitraum von sechs Wochen mehr als ein Kilogramm Körpergewicht, 22% sogar mehr als 3kg. Die klare Schlussfolgerung der Studie: „Oolong-Tee kann durch die Verbesserung des Fettstoffwechsels den Körperfettanteil senken und das Körpergewicht reduzieren. Der regelmäßige Konsum von Oolong-Tee kann vor Fettleibigkeit schützen.“ 7
Pu-Erh-Tee: Der fermentierte Schatz aus Yunnan
Pu-Erh ist ein nachfermentierter Tee aus der chinesischen Provinz Yunnan. In Asien genießt er seit Jahrhunderten den Ruf, die Verdauung zu fördern und beim Gewichtsmanagement zu helfen. Was sagt die moderne Forschung dazu?
Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie an 59 übergewichtigen Personen mit erhöhtem Cholesterinspiegel untersuchte die Wirkung von 3 Gramm Pu-Erh-Tee-Extrakt täglich über 20 Wochen. Die Ergebnisse: signifikanter Gewichtsverlust, Reduktion des Körperfettanteils und verbessertes Lipidprofil im Vergleich zur Placebogruppe. Es wurde ein Fettabbau an Armen, Beinen und im gynoiden Bereich (Hüfte/Oberschenkel/Po) sowie bei der Gesamtfettmasse festgestellt.8
Die bioaktiven Komponenten des Pu-Erh, insbesondere das Theabrownin, scheinen die Fettbiosynthese zu hemmen und die Fettoxidation zu steigern. Tierstudien zeigen, dass Pu-Erh-Tee den Fettstoffwechsel auf molekularer Ebene beeinflusst. 9
Allerdings zeigt sich auch hier: Die Effekte bei Menschen sind bescheidener als bei Tieren. Eine Studie mit 70 Patienten mit metabolischem Syndrom ergab nach drei Monaten einen Gewichtsverlust von 1,3 Kilogramm in der Pu-Erh-Gruppe gegenüber 0,23 Kilogramm in der Placebogruppe. Statistisch signifikant waren die Ergebnisse nur bei männlichen Teilnehmern. Dennoch schlussfolgerten die Autoren „Daher kann der tägliche Konsum von Pu-Erh-Tee eine Alternative zur Gewichtsreduktion sein.“10
Das Darmmikrobiom: Ein neuer Forschungsschwerpunkt
Eine der spannendsten Entwicklungen der letzten Jahre ist das wachsende Verständnis dafür, wie Tee das Darmmikrobiom beeinflusst. Das Mikrobiom, jene Billionen von Bakterien im Verdauungstrakt, spielt eine zentrale Rolle bei der Energiegewinnung und dem Stoffwechsel.
Eine UCLA-Studie zeigte, dass sowohl grüner als auch schwarzer Tee das Verhältnis der Darmbakterien verändern: Der Anteil an Bakterien, die mit Übergewicht assoziiert sind, nimmt ab, während Bakterien, die mit einem schlanken Körperbau verbunden sind, zunehmen. 11
Eine systematische Übersichtsarbeit aus 2024 bestätigte, dass fermentierte Tees wie Pu-Erh und Kombucha die Zusammensetzung der Darmflora positiv verändern können. Sie erhöhen den Anteil nützlicher Bakterien wie Bifidobakterien und Laktobazillen und unterdrücken das Wachstum schädlicher Mikroorganismen. 12
Besonders interessant: Die Polyphenole im Tee werden größtenteils nicht im Dünndarm absorbiert, sondern gelangen in den Dickdarm, wo sie von Darmbakterien metabolisiert werden. Diese Stoffwechselprodukte könnten für viele der beobachteten gesundheitlichen Vorteile verantwortlich sein.
Eine kritische Einordnung: Was die Wissenschaft nicht beweist
Bei aller positiven Berichterstattung über Tee und Gewichtsverlust ist wissenschaftliche Nüchternheit geboten. Die Forschungslage weist erhebliche Lücken und Limitationen auf.
Methodische Einschränkungen
Viele Studien wurden an Nagetieren durchgeführt. Ergebnisse aus Tierversuchen lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen. Die Dosierungen in Tierstudien entsprechen oft einem Vielfachen dessen, was Menschen realistisch konsumieren würden.
Die Heterogenität der Humanstudien erschwert Vergleiche: Unterschiedliche Teeprodukte, Extraktkonzentrationen, Studiendesigns und Teilnehmerpopulationen führen zu widersprüchlichen Ergebnissen. Nicht alle Studien können einen Effekt nachweisen, und diejenigen, die einen Effekt zeigen, berichten oft von bescheidenen Resultaten.
Was wissenschaftlich nicht belegt ist
Es gibt derzeit keine wissenschaftliche Evidenz dafür, dass Tee allein, ohne Veränderungen bei Ernährung und Bewegung, zu klinisch bedeutsamem Gewichtsverlust führt. Die meisten erfolgreichen Studien kombinierten Teekonsum mit körperlicher Aktivität. Auch gibt es keine standardisierte, wissenschaftlich validierte Dosierungsempfehlung für den Gewichtsverlust.
Die langfristigen Effekte sind ebenfalls unklar. Die meisten Studien dauerten nur 8 bis 12 Wochen. Ob die beobachteten Wirkungen über längere Zeiträume anhalten oder ob sich der Körper anpasst, bleibt offen.
Praktische Empfehlungen: Was die Forschung nahelegt
Trotz aller Einschränkungen lassen sich aus der wissenschaftlichen Literatur einige Hinweise ableiten:
Konsistenz vor Intensität: Die positiven Effekte scheinen mit regelmäßigem, langfristigem Konsum verbunden zu sein. In asiatischen Ländern, wo Tee täglich und über das gesamte Leben hinweg konsumiert wird, sind Fettleibigkeitsraten tendenziell niedriger. Ein kurzfristiger intensiver Konsum bringt vermutlich weniger als eine dauerhafte Gewohnheit.
Qualität beachten: Nicht alle Teeprodukte sind gleichwertig. Fertige Teebeutel enthalten oft weniger bioaktive Substanzen als hochwertige lose Blätter oder standardisierte Extrakte. Die Forscher empfehlen standardisierte Grüntee-Extrakte aus Apotheken für garantierte Wirkstoffgehalte.
Kombination mit Bewegung: Die überzeugendsten Ergebnisse stammen aus Studien, die Teekonsum mit körperlicher Aktivität kombinierten. Tee kann Sport nicht ersetzen, aber möglicherweise ergänzen.
Realistische Erwartungen: Wer durch Tee allein mehrere Kilogramm pro Monat verlieren möchte, wird enttäuscht werden. Die wissenschaftlich belegten Effekte bewegen sich im Bereich von wenigen hundert Gramm bis zu etwa einem Kilogramm über mehrere Wochen.
Timing bedenken: Einige Studien legen nahe, dass der Konsum von Tee 30 bis 90 Minuten vor dem Sport die Fettverbrennung um bis zu 17 Prozent steigern kann. Dies könnte für aktive Menschen interessant sein.
Tipp: Wer nicht direkt vor dem Training warten möchte, bis der heiße Tee abgekühlt ist, um ihn trinken zu können, der sollte sich einmal das Konzept des Cold Brew Tee anschauen. Hier wird der Tee nämlich schon im Vorfeld kalt aufgegossen und kann dementsprechend jederzeit sehr schnell konsumiert werden.
Fazit: Eine nüchterne Bilanz
Tee ist kein Wundermittel zum Abnehmen. Die wissenschaftliche Evidenz zeigt moderate, statistisch signifikante Effekte bestimmter Teesorten auf Körpergewicht und Stoffwechsel. Diese Effekte sind real, aber bescheiden.
Grüner Tee, Oolong und Pu-Erh können als Teil eines gesunden Lebensstils eine unterstützende Rolle spielen. Sie bieten darüber hinaus zahlreiche weitere gesundheitliche Vorteile, von antioxidativen Eigenschaften bis zur positiven Beeinflussung des Darmmikrobioms.
Die größte Stärke des Tees liegt vielleicht nicht in seinen metabolischen Eigenschaften, sondern in seiner Fähigkeit, als kalorienarme Alternative zu zuckerhaltigen Getränken zu dienen. Ein Glas Limonade durch eine Tasse ungesüßten Tee zu ersetzen, ist ein einfacher Schritt, der über Zeit zu einer negativen Kalorienbilanz beitragen kann.
Wer Tee genießt, sollte dies mit Freude tun und sich über die möglichen gesundheitlichen Zusatznutzen freuen. Wer jedoch signifikant abnehmen möchte, kommt um die bewährten Grundpfeiler nicht herum: ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung. Tee kann diesen Prozess unterstützen, aber nicht ersetzen. Darüber hinaus kann aber Tee auch mit anderen Maßnahme prima kombiniert werden: Stichwort hier: Tee-Fasten
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen oder vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Quellen und Verweise
- 1 Au-Doung, P. L., Mak, K. K., & To, K. K. (2025). Green tea supplementation in adults with obesity: a systematic review of clinical studies. Discover Food, 5(1), 332.
- 2 Asbaghi, O., Kelishadi, M. R., Larky, D. A., Bagheri, R., Amirani, N., Goudarzi, K., ... & Zamani, M. (2024). The effects of green tea extract supplementation on body composition, obesity-related hormones and oxidative stress markers: a grade-assessed systematic review and dose–response meta-analysis of randomised controlled trials. British Journal of Nutrition, 131(7), 1125-1157.
- 3 Jurgens, T. M., Whelan, A. M., Killian, L., Doucette, S., Kirk, S., & Foy, E. (2012). Green tea for weight loss and weight maintenance in overweight or obese adults. Cochrane database of systematic reviews, (12).
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- 7 He, R. R., Chen, L., Lin, B. H., Matsui, Y., Yao, X. S., & Kurihara, H. (2009). Beneficial effects of oolong tea consumption on diet-induced overweight and obese subjects. Chinese journal of integrative medicine, 15(1), 34-41.
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