In der letzten Zeit wird sehr viel über Cold Brew Tee diskutiert, weil dieses scheinbar neuartige Getränk aktuell im Trend liegt und einen wahren Hype erlebt. Allerdings handelt es sich gar nicht um eine neue Entwicklung. Im Grunde genommen handelt es sich um eine traditionelle Art der Zubereitung, die ursprünglich aus Japan stammt. Dort gab es schon vor sehr langer Zeit den Cold Brew Tee, allerdings wurde er in Japan früher anders bezeichnet.

Was ist Cold Brew Tee?

Wie die Bezeichnung schon vermuten lässt, handelt es sich um Tee, der nicht mit kochendem Wasser aufgebrüht wird, sondern mit kaltem Wasser. Daher wirkt er sehr erfrischend und eignet sich besonders gut für den Genuss an heißen Sommertagen. Die meisten Tee-Liebhaber bezeichnen die Zubereitungsart Mitsudashi. Dabei handelt es sich um die japanische Bezeichnung für die Zubereitung von grünem Tee mit kaltem Wasser. Eine längst vergessene Tradition lebt durch den Cold Brew Tee plötzlich wieder auf und viele Menschen finden einen großen Gefallen daran.

Cold Brew Tee aus Pai Mu Tan
Cold Brew Tee aus Pai Mu Tan

Doch warum ist es überhaupt sinnvoll, den Tee kalt aufzubrühen? Dafür gibt es eine einfache Erklärung. Er schmeckt deutlich milder als heiß aufgebrühter Tee und gleichzeitig intensiver. Das liegt unter anderem daran, da sich die Inhaltsstoffe aus den Teeblättern im kalten Wasser nur langsam lösen, sodass auch die Bitterstoffe beim kalten Aufguss nicht so stark heraus kommen, da sich weniger gelöst werden. Neben der Wassertemperatur und der Ziehzeit, spielt übrigens auch die Teesorte eine Rolle, beim Lösen der entsprechenden Stoffe. Einen guten Einstieg in das Thema findet man in der Studie: „Bitter and astringent substances in green tea: composition, human perception mechanisms, evaluation methods and factors influencing their formation“ und "Influence of steeping conditions (time, temperature, and particle size) on antioxidant properties and sensory attributes of some white and green teas"

Cold Brew Ice Brew oder Cold Drip - wo liegen die Unterschiede?

Der Ice Brew (oder auch Koori Dashi genannt), der den meisten Teetrinkern eher als eine sehr besondere Art des „Eistees“ bekannt sein dürfte, wird im Gegensatz zum Cold Brew nicht mit kaltem Wasser aufgebrüht. Stattdessen wird bei der Ice Brew Methode auf die Teeblätter mehrere Eiswürfel gegeben. Diese schmelzen nun bei Zimmertemperatur und die Blätter geben ganz langsam ihr Aroma und die Inhaltsstoffe in das Wasser ab.

Bei Cold Drip handelt es sich keineswegs um eine weitere Teevariante. Es ist vielmehr eine weitere besondere Art der Zubereitung. Bei der Cold Drip Methode wird kaltes Wasser Tropfen für Tropfen auf die Teeblätter geträufelt. Bis eine Kanne gefüllt ist, kann es daher zwei bis drei Stunden dauern. Dazu ist jedoch ein spezielles Gerät erforderlich, das Cold Dripper bezeichnet wird und man unter anderem auch von der Zubereitung des Cold Drip Coffees kennt. Der größte Vorteil dieser Methode besteht darin, dass durch die langsame Zubereitung besonders viele Aromastoffe aus den Teeblättern gelöst werden. Erfahrene Tee-Liebhaber spüren den Unterschied deutlich.

Unterschiede zwischen Cold Brew und Eistee

Man merkt schon, kalter Tee ist nicht gleich kalter Tee und vom Unterschied zwischen Cold Brew Tee und Eistee haben wir noch gar nicht gesprochen. Immerhin ist hier eine Unterscheidung deutlich einfacher. Denn auch wenn ein Eistee am Ende wie der Cold Brew kalt getrunken wird, wird bei der Eistee-Herstellung ganz normal der Tee mit heißem Wasser aufgegossen. Erst nachdem er durchgezogen ist, wird er anschließend mit Eiswürfel und dem Kühlschrank heruntergekühlt.
Auch wenn beide kalt getrunken werden: Eistee, wie dieser Minzeistee, ist nicht Cold Brew Tee
Auch wenn beide kalt getrunken werden: Eistee, wie dieser Minzeistee, ist nicht Cold Brew Tee

Eignet sich jeder Tee für Cold Brew?

Für die Cold Brew Methode eigenen sich Teesorten die aus der Teepflanze Camellia sinensis hergestellt werden, also Grüntee, Schwarztee, weißer Tee oder auch Oolongs. Schon bei der Herstellung werden die Teeblätter kurz erhitzt. Deshalb befinden sich daran auch keine Keime mehr, die durch das Kochen des Wassers abgetötet werden müssen. Aus diesem Grund lassen sich diese Teesorten unbedenklich kalt aufbrühen.

Darüber hinaus wird in Südamerika mit Mate per Cold Brew-Tee Verfahren der sogenannte Tereré aufgegossen und an heißen Sommertagen getrunken.

Warum sollten Kräuter- und Früchtetees lieber heiß zubereitet werden?

Im Gegensatz zu grünen, schwarzen und weißen Tee werden Kräuter- und Früchtetees nach der Ernte in der Regel nicht erhitzt, sondern nur getrocknet. Deshalb besteht die Gefahr, dass sich an den Blättern noch Bakterien, Hefen, Schimmelpilze oder andere schädliche Keime befinden. Diese könnten im schlimmsten Fall zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Deshalb sollte davon abgesehen werden, normale Früchte- und Kräutertees ohne kochendes Wasser aufzubrühen. Einen entsprechenden Hinweis findet man auch auf den jeweiligen Teepackungen.

Ausnahme: Spezielle Cold Brew Früchtetees

Inzwischen haben einige Hersteller die Lücke entdeckt und bieten auch spezielle Früchteteemischungen als Cold Brew-Variante an. Diese werden mit einem speziellen Heißdampfverfahren behandelt, sodass der Keimgehalt sinken soll. Stellenweise werden auch von „besonderen lebensmittelhygienischen Kontrollen“ gesprochen, die ein sicheres Lebensmittel garantieren soll. Dies wiederum schlägt sich in einem höheren Preis nieder. Für Säuglinge, Kinder oder kranke Personen sollte man aber auch bei diesen Tees lieber auf diese Zubereitungsform verzichten. Teilweise befindet sich in den Cold Brew Früchtetees aber gar keine wirklich getrockneten Früchte, sondern lediglich Aroma. Hier hilft ein Blick auf die Zutatenlisten, ob auch wirklich natürliche Zutaten in diesen speziellen Cold Brew-Mischungen enthalten sind.

Cold Brew Tee und Koffein

Spannend ist auch die Betrachtung, wie es mit dem Koffein im Cold Brew aussieht. Befindet sich im Cold Brew weniger Koffein als in der traditionellen Zubereitung? Wer sich dazu schon im Internet informiert hat, wird verschiedene Aussagen dazu finden. Die einen sagen, in einem Cold Brew Tee steckt deutlich weniger Koffein, die anderen sagen, der Koffeingehalt wäre genauso hoch wie in der heißen Variante. Doch was ist nun richtig?

Tatsächlich ist beides richtig, da der letztendliche Koffeingehalt von vielen Faktoren abhängen. Unterschieden werden muss zwischen Teebeutel und losen Teeblättern, der Temperatur und auch der Ziehzeit. Klar ist, umso niedriger die Temperatur, umso langsamer löst sich das Koffein. Da der Cold Brew Tee aber deutlich länger ziehen muss als ein gewöhnlicher Tee, kann über die Zeit am Ende der gleiche oder ähnliche Koffeingehalt in einer Cold Brew-Teetasse sein, wie bei der gewöhnlichen Zubereitung.

Wie wird Cold Brew Tee zubereitet?

Die Zubereitung eines Cold Brew Tees ist wie schon gesagt sehr einfach. Letztendlich übergießt man die losen Teeblätter einfach mit kalten bzw. lauwarmen Wasser und lässt den Tee im Kühlschrank durchziehen. Die Ziehzeit ist umso länger, umso kälter die Umgebungstemperatur. Bei Raumtemperatur sollte der Tee etwa vier Stunden ziehen, im Kühlschrank mindestens acht, am besten auch einfach über die Nacht.

Cold Brew Tee ist schnell zubereitet: Einfach Tee und Wasser in ein Gefäß und dann ist warten angesagt
Cold Brew Tee ist schnell zubereitet: Einfach Tee und Wasser in ein Gefäß und dann ist warten angesagt

Bei der Teemenge empfiehlt es als Faustformel die doppelte Menge als bei einer gewöhnlichen Teezubereitung zu nehmen.

Generell ist die Zubereitung eines Cold Brew Tees aber auch ein Experimentieren und Entdecken der eigenen perfekten Zubereitung. Je nach persönlichen Empfinden kann man Menge als auch Ziehzeit an den eigenen Geschmack anpassen.