Gegen seine direkten Verwandten Grüner schwarzer Tee hat es weißer Tee hierzulande noch etwas schwer - sehr zu unrecht. Denn weißer Tee ist für viele Teegenießer eine delikate aromatische Alternative. Daneben verfügt weißer Tee über eine Vielzahl an Wirkstoffen, die einen ganzheitlichen Genuss garantieren.

Was ist weißer Tee?

Woher die Bezeichnung weißer Tee stammt, ist nicht eindeutig geklärt. Ein plausibler Erklärungsansatz ist aber sicherlich das Erscheinungsbild der silbrig-weißen Knospen. Erstmals beurkundet wurde weißer Tee in der Tang-Dynastie, also der Zeit zwischen 618 bis 907 n. Chr. Zunächst waren es seine medizinischen Inhaltstoffe und Wirkungen, weshalb die Knospen und Blüten des weißen Tees Verwendung fanden. Im Laufe der anschließenden Song-Dynastie (960-1279 n. Chr.) erreichte weißer Tee einen sagenhaften Kultstatus. Allerdings stand in dieser Zeit nicht so sehr die medizinische Wirkung, sondern vielmehr der delikate Geschmack des weißen Tees im Vordergrund. Das bedeutet jedoch nicht, dass alle Chinesen in den Genuss dieses Tees kamen. Der war nämlich so selten und kostbar, dass er einzig und allein Kaisern vorbehalten war. Um an die bis zu 20 Meter hochliegenden Knospen zu gelangen wurden sogar Affen speziell hierfür dressiert, um die kostbaren Blüten zu pflücken. Nach Europa gelangte der Weiße Tee erst im 19. Jahrhundert und das zumeist in Form von Pulver. Im Vergleich zu den mannigfaltigen Sorten von Grünen und Schwarzen Tees gilt weißer Tee nach wie vor als exklusive Teespezialität. Geschmacklich besticht weißer Tee durch sein elegantes schon fast süßlich zu nennendes Aroma. Begleitet wird es von einem Duft, der an Orchideen und Frühlingsblumen erinnert.

Die Herstellung von Weißem Tee ist bis heute sehr traditionell und aufwändig. Als Kernländer und -regionen gelten in China die Regionen Fuding und Zhenghe. Des Weitere sind Nepal und Sri Lanka wichtige Anbauregionen für weißen Tee. Je nach Sorte gibt es unterschiedliche Herstellungsarten und Traditionen, die sich über die Jahrhunderte bewährt haben und bis heute von engagierten Teebauern gepflegt werden.

Welche Sorten gibt es?

Genießer des weißen Tees unterschieden vier wichtige Hauptsorten: Yin Zhen (Silbernadeltee), Gong Mei, Shou Mei und Pai Mu Tan/Bai Mudan, den man vielleicht auch unter dem Namen weiße Pfingstrose kennt.

Weißer Tee Jasmin
Weißer Tee von Teekanne
von den hohen Bergregionen Fujians
im Süden Chinas

Die Sorte Yin Zhen kann ausschließlich nur auf kleinsten Teeplantagen angebaut werden. Die Kultivierung und Pflege dieser Sträucher ist derart aufwändig, dass dies kaum in größeren Mengen geschehen kann. Extrem limitiert ist auch die Erntezeit: Nicht mehr als zwei Tage im Monat März beträgt sie. Innerhalb dieser 48 Stunden müssen alle Erntehelfer dafür Sorge tragen, die besten Blattknospen komplett zu ernten. Bei 25 Grad und einer konstanten Luftfeuchtigkeit von 60 Prozent legen die Arbeiter die Ernte sorgfältig aus, um sie auf natürliche Weise an der Sonne trocknen zu lassen. Um mal eine kleine Vorstellung zu davon zu geben, wie aufwändig der Anbau ist, reicht vielleicht ein Blich auf den Ertrag: Rund 30.000 Knospen ergeben am Ende ein Kilo weißen Tees. Diese Pflanze ist zudem so empfindlich hinsichtlich des Anbaus und der klimatischen Bedingungen, dass alle Versuche, sie in anderen Regionen anzubauen, gescheitert sind.

Für die anderen Sorten des weißen Tee sind alternative Anbaugebiete beispielsweise in Sri Lanka, Nepal und Indien anerkannt.

Wie wird weißer Tee hergestellt?

Die streng natürliche Herstellung der kostbaren Sorte Yin Zhen beinhaltet umfasst auch folgende Vorgaben: Die Blätter dürfen weder geknickt noch gebrochen werden. Das bedeutet auch, dass die Verbreitung dieses Tees sehr viel schwieriger zu bewerkstelligen ist als Tee in Pulverform - oder in gebrochenen Blättern.

Nicht ganz so aufwändig wird beim den anderen Sorten des weißen Tees agiert. Hier können beispielsweise auch junge Teeblätter verarbeitet werden, das Zeitfenster für die Ernte ist größer - und nicht zuletzt bedarf auch der Anbau sehr viel weniger Aufwand. Das sind alles Punkte, die sich auch in einem markant attraktiveren Preis niederschlagen.

Welche Wirkstoffe sind im weißen Tee?

Weißer Tee enthält wie Schwarzer und Grüner Tee den Stoff Koffein. Kein Wunder, stammmt der weiße Tee von derselben Teepflanze wie auch grüner und schwarzer Tee. Oft wird behauptet, dass der weiße Tee allerdings weniger Koffein hätte als der grüne oder schwarze Tee. Diese pauschale Aussage lässt sich aber so nicht einfach treffen. Der Koffeingehalt eines Tees unterliegt verschiedenen Faktoren, wie beispielsweise die Qualität, das Anbaugebiet oder auch die Zubereitung.

Ähnlich prominent vertreten wie im Grün- oder Schwarztee sind im weißen Tee die Polyphenole, die zu den sekundären Pflanzenstoffen gehören. Die sind in erheblicher Weise dafür verantwortlich, dass weißer Tee nicht nur schmeckt, sondern auch gesundheitsfordernd wirkt. Wir wie gesehen haben, war genau diese Wirkung schon sehr früh be- und anerkannt. Polyphenolen wird nachgesagt, dass sie die menschlichen Körperzellen schützen und dabei auch den Stoffwechsel unterstützen. Darüber hinaus tragen sie auch zum Aufbau des Immunsystems bei.

Die ebenfalls enthaltenen Flavonol-Glykoside haben eine positive Wirkung auf die Herzgesundheit. So gibt es zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen - darunter auch einige Metastudien -, die Weißem Tee bei regelmäßigem Genuss eine präventive Wirkung von Infarkten und weiteren Herz-Kreislauferkrankungen zuschreiben. Eine besondere Wirkung entfaltet Theanin, eine Aminosäure, die besonders stark in Weißem Tee vertreten ist: Theanin wirkt auf viele Menschen beruhigend und stressmindernd. Wenn man so will, ist weißer Tee Yoga von Innen heraus.

Welche Wirkung hat weißer Tee?

Weißer Tee gilt mit diesen beschriebenen Wirkstoffen als gesündere und bekömmlichere Alternative zu grünem oder schwarzem Tee. Zwar belebt er, jedoch bei weitem nicht so stark wie andere koffeinhaltige Getränke. So ist seine belebende Wirkung auch besser zu dosieren. Gleichzeitig sorgt sein hoher Theaningehalt für eine nachhaltige seelische Entspannung. Hier gilt es für jeden Teegenießer, auf seinen Körper zu hören und darauf zu achten, welche Wirkung, neben dem reinen Genuss, evoziert werden soll.

Welche Nebenwirkungen hat weißer Tee?

Wirkliche Nebenwirkungen hat weißer Tee nicht, da vor allem die Koffeingehalt sehr moderat ausfällt. Jedoch kann es bei einem übermäßigen Genuss von Weißem Tee zu Schlafproblemen kommen. Auch die Aufnahme von Calcium durch den Körper kann bei einem langanhaltenden überhöhten Konsum von Weißem Tee gestärkt werden. Wer jedoch achtsam mit sich umgeht und darauf achtet, seine Lebensmittel als Genuss wahrzunehmen, für den werden diese Nebenwirkungen nicht relevant sein.

Wie wird weißer Tee zubereitet?

Achtsamkeit spielt auch bei der Zubereitung von Weißem Tee eine entscheidende Rolle: Für den perfekten Teegenuss sollte man darauf achten, dass das Wasser weder zu weich noch zu hart ist. Zusätzlich entkalktes Wasser ist das Mittel der Wahl. Aufgegossen werden sollte weißer Tee bei 75 Grad. Das weißer Tee nicht nur im Anbau, sondern auch in der Zubereitung durchaus anspruchsvoll ist, zahlt sich die Anschaffung eines Teethermostats schnell durch einen sicheren und delikateren Teegenuss aus. In aller Regel empfiehlt sich eine Dosierung von 10 oder 12 Gramm Tee pro Liter. Wer dann den Tee noch zwei bis fünf Minuten ziehen lässt, erhält einen perfekten weißen Tee - die tatsächliche Ziehdauer hängt von der individuellen gewünschten Intensität der Phenole sowie des Theanins ab. Wer in den Genuss des exklusiven Sorte Yin Zhen kommen mag, sollte darauf achten, dass die Ziehzeit in diesem Fall bis zu 20 Minuten betragen kann.

Es lohnt sich übrigens weißen Tee durchaus öfter aufzugießen. So können Teegenießer durch einen zweiten oder dritten Aufguss die gesamte Geschmacksvielfalt erleben.


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