In den nebelverhangenen Bergen Taiwans verbirgt sich ein Schatz, der Teeliebhaber weltweit verzaubert. Dong Ding Oolong gehört zu den renommiertesten Teesorten der Insel und trägt nicht ohne Grund den Beinamen "Juwel der taiwanesischen Oolongs". Wer einmal seinen samtigen Geschmack erlebt hat, versteht sofort, warum dieser Tee seit Generationen Kenner in seinen Bann zieht.

Doch was macht diesen halbfermentierten Tee so außergewöhnlich? Welche Geschichte rankt sich um seine Entstehung, und wie entfaltet er sein volles Potenzial in der Tasse? Diese Fragen führen auf eine Reise durch Tradition, Handwerk und Genuss.

Was ist Dong Ding Oolong?

Dong Ding Oolong zählt zur Familie der halbfermentierten Tees. Der Name bedeutet übersetzt "Eisiger Gipfel" oder "Gefrorene Spitze" und bezieht sich auf den Berg in Taiwan, an dessen Hängen die Teepflanzen ursprünglich gedeihen. Die Bezeichnung Oolong selbst stammt aus dem Chinesischen und lässt sich als "Schwarzer Drache" übersetzen.

Dieser besondere Tee nimmt eine Mittelstellung zwischen grünem und schwarzem Tee ein. Mit einem Oxidationsgrad von etwa 15 bis 30 Prozent bewahrt er die Frische grüner Tees, entwickelt gleichzeitig aber die komplexen Aromen, die man von stärker fermentierten Sorten kennt. Die Blätter werden nach der Ernte zu charakteristischen kleinen Kugeln gerollt, die sich beim Aufgießen entfalten und dabei auf das Zwanzigfache ihrer zusammengerollten Größe anwachsen können.

Dong Ding Oolong Tee aus Nantou, Taiwan
Dong Ding Oolong Tee aus Nantou, Taiwan

Die Herstellung erfordert meisterliches Können. Nach dem Pflücken welken die Blätter zunächst in der Sonne, bevor sie auf Bambusmatten ruhen. Anschließend werden sie behutsam gerollt, um die Oxidation anzuregen. Durch gezieltes Erhitzen stoppt der Teemeister diesen Prozess zum optimalen Zeitpunkt. Eine leichte Röstung verleiht dem Tee schließlich seine charakteristische Tiefe.

Herkunft von Dong Ding Oolong

Die Wurzeln dieses Tees reichen bis ins späte 19. Jahrhundert zurück. Die Geschichte erzählt von dem Gelehrten Lin Fengchi/Ling Fong Chi, der in den 1860er Jahren zum Studium in die chinesische Provinz Fujian reiste. Als Souvenir für seine Familie brachte er Teepflanzen aus den berühmten Wuyi-Bergen mit nach Taiwan. Diese Setzlinge der Qingxin-Varietät, auch als "Grünes Herz" bekannt, fanden am Dong Ding Berg in der Region Nantou ideale Wachstumsbedingungen vor.

Für alle die Englisch können ist das nachfolgende Video sehr interessant bzgl. der Herkunft des Dong Ding Oolongs:

Der Lugu-Bezirk im Landkreis Nantou entwickelte sich zum Zentrum der Dong Ding Produktion. Die geografischen Gegebenheiten begünstigen den Teeanbau in besonderer Weise: kühle Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit und häufiger Nebel prägen das Mikroklima. Die Hänge des Berges erstrecken sich auf Höhen zwischen 600 und 1000 Metern. Sonnige Vormittage und neblige Nachmittage sorgen für ein langsames, gleichmäßiges Reifen der Blätter.

Ursprünglich bezeichnete der Name ausschließlich Tee, der direkt am Dong Ding Berg wuchs. Mit steigender Beliebtheit dehnten Produzenten den Anbau auf andere Gebiete Taiwans aus (siehe hierzu auch Tee aus Taiwan) und behielten dabei die charakteristische Verarbeitungsmethode bei. Heute steht Dong Ding daher sowohl für eine geografische Herkunft als auch für einen bestimmten Verarbeitungsstil. Puristen unterscheiden weiterhin zwischen authentischem Berg-Tee und Varianten aus anderen Regionen.

Dong Ding Oolong gibt es fast überall in Taiwan zu kaufen, wie beispielsweise hier im touristischen Jiufen im Norden Taiwans
Dong Ding Oolong gibt es fast überall in Taiwan zu kaufen, wie beispielsweise hier im touristischen Jiufen im Norden Taiwans

Wirkung

Oolong-Tee vereint Eigenschaften von grünem und schwarzem Tee, was ihm ein vielseitiges Wirkungsprofil verleiht. Der Koffeingehalt liegt bei etwa 20 bis 50 Milligramm pro 150 Milliliter und damit zwischen grünem Tee und Kaffee (der genaue Gehalt wird aber unter anderem auch durch die Zubereitung beeinflusst). Diese moderate Menge sorgt für sanfte Wachheit ohne die Nervosität, die konzentriertere Koffeinquellen manchmal auslösen.

Die Polyphenole im Oolong-Tee, darunter Epigallocatechingallat (EGCG), stehen im Fokus wissenschaftlicher Forschung. Eine japanische Studie mit 76.979 Teilnehmern im Alter zwischen 40-79 Jahren ergab einen Zusammenhang zwischen regelmäßigem Oolong-Konsum und einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Teilnehmer, die täglich etwa 240 ml tranken, zeigten ein deutlich reduziertes Risiko.1

Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Kombination aus Koffein und Tee-Polyphenolen den Fettstoffwechsel anregen kann. Eine Studie der Universität Tsukuba in Japan stellte fest, dass Oolong-Tee den Fettabbau um etwa 20 Prozent steigerte, wobei dieser Effekt sogar während des Schlafs anhielt2. Weitere Studien nähren diese Beobachtung.3, 4

Die Aminosäure L-Theanin ergänzt das Koffein auf interessante Weise: Sie fördert Entspannung ohne müde zu machen. Diese Kombination erklärt, warum Teetrinker oft von einer wachen, aber gelassenen Aufmerksamkeit berichten. Zusätzlich enthält Oolong-Tee Mineralstoffe wie Mangan, Kalium und Magnesium sowie verschiedene B-Vitamine.

Hinweis: Die genannten Studien zeigen Korrelationen und erste Hinweise. Weitere Forschung bleibt notwendig, um kausale Zusammenhänge zu bestätigen. Schwangere und stillende Frauen sollten ihren Koffeinkonsum begrenzen und ärztlichen Rat einholen.

Geschmack

Das Geschmackserlebnis eines hochwertigen Dong Ding gleicht einer kleinen Symphonie. Im ersten Moment steigen blumige Noten auf, die an Orchideen und Maiglöckchen erinnern. Diese floralen Akzente verbinden sich mit einer samtigen Süße, die an Honig und reife Früchte denken lässt. Je nach Röstgrad treten nussige Nuancen hinzu, die an geröstete Mandeln oder Haselnüsse erinnern.

Der Körper des Tees präsentiert sich vollmundig und cremig. Manche Kenner beschreiben eine buttrige Textur, die den Gaumen umschmeichelt. Im Abgang hinterlässt Dong Ding eine angenehme Süße, die lange nachklingt. Bittere oder adstringierende Noten treten bei korrekter Zubereitung kaum auf.

Besonders faszinierend: Der Geschmack wandelt sich mit jedem Aufguss. Der erste Durchgang offenbart oft kräftige, nussige Töne. Mit dem zweiten und dritten Aufguss werden die Aromen leichter und blumiger. Erfahrene Teetrinker schätzen diese Entwicklung und bereiten denselben Tee mehrfach auf, um das gesamte Spektrum zu erleben. Bis zu 10 oder gar mehr Aufgüsse sind bei hochwertigem Dong Ding möglich.

Die Farbe des Aufgusses variiert von hellem Strohgelb bis zu warmem Bernstein, abhängig von Oxidationsgrad und Röstung. Traditionell stärker geröstete Varianten zeigen dunklere Töne und ausgeprägtere Karamellnoten, während leicht oxidierte Versionen heller und blumiger ausfallen.

Zubereitung

Die Zubereitung entscheidet maßgeblich über das Ergebnis in der Tasse. Wer ein paar Grundregeln beachtet, holt das Beste aus den kostbaren Blättern heraus.

Wassertemperatur: Das Wasser sollte zwischen 80 und 90 Grad Celsius heiß sein. Kochendes Wasser verbrennt die empfindlichen Blätter und führt zu bitteren Noten. Ein einfacher Trick: Nach dem Aufkochen das Wasser etwa zwei bis drei Minuten abkühlen lassen.

Dosierung: Etwa 5 Gramm Teeblätter auf 200 Milliliter Wasser bilden einen guten Ausgangspunkt. Da die gerollten Blätter sich stark entfalten, wirken sie vor dem Aufgießen oft sparsam. Das Auge täuscht hier leicht. Je nach Geschmack kann man aber auch mehr oder weniger Tee nehmen.

Zubereiteter Dong Ding Oolong Tee
Zubereiteter Dong Ding Oolong Tee

Ziehzeit: Der erste Aufguss benötigt etwa eine bis zwei Minuten. Manche Traditionen empfehlen, diesen ersten Durchgang wegzuschütten, um die Blätter zu "wecken". Folgende Aufgüsse können mit 30 bis 60 Sekunden kürzer ausfallen, da die Blätter bereits geöffnet sind. Mit jedem weiteren Durchgang verlängert sich die Ziehzeit leicht.

Gefäß: Idealerweise kommt eine kleine Tonkanne aus Yixing oder ein Gaiwan zum Einsatz. Diese Gefäße ermöglichen die traditionelle Gongfu-Methode mit mehrfachen kurzen Aufgüssen. Eine gewöhnliche Teekanne mit Sieb funktioniert ebenfalls, solange die Blätter nach der Ziehzeit vom Wasser getrennt werden.

Wichtiger Hinweis: Der Tee sollte nicht im Wasser verbleiben. Überzogene Ziehzeiten führen unweigerlich zu einem bitteren Ergebnis. Lieber öfter aufgießen und die Verwandlung des Geschmacks genießen.

Quellen und Studien