Pyrrolizidinalkaloide im Tee können zumindest für Kinder, Schwangere und Stillende schädlich sein. Es sind natürliche Gifte von Pflanzen, mit denen sich diese gegen Fressfeinde wehren. Unter anderem sind sie Kamillen-, Pfefferminz-, Melissen-, Brennnessel- und Fencheltee zu finden. Doch was sind diese Pyrrolizidinalkaloide überhaupt?

Was sind Pyrrolizidinalkaloide?

Strukturformel von Pyrrolizidin
Strukturformel von Pyrrolizidin

Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind Alkaloide mit der Grundstruktur des Ringsystems Pyrrolizidin, einem Bicyclen (chemische Verbindung mit zwei verknüpften Ringen). Sie kommen als Inhaltsstoffe in über 500 Variationen von mehr als 6.000 Pflanzenspezies vor. Gelegentlich werden sie in Lebensmitteln gefunden, wobei ihr Gehalt von der Pflanzenart, aber auch von der Bodenbeschaffenheit, der Ernte, der Lagerung und dem Extraktionsverfahren abhängt.

Wo kommen Pyrrolizidinalkaloide vor?

Sie sind in diversen Pflanzen zu finden, darunter auch in Kräutertees, wo sie das Berliner BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) 2013 nachwies. Neben Tees sind sie auch in Honig, Borretsch, Wasserdost, Huflattich und weiteren pflanzlichen Lebensmitteln nachweisbar. Allerdings haben sich die Hersteller bemüht, nach der Erstmeldung des BfR von 2013 den Anteil zu senken. Das ist wohl auch gelungen, denn in den Folgejahren wurden immer weniger Pyrrolizidinalkaloide in Lebensmitteln nachgewiesen. Zuletzt gab das BfR im Jahr 2019 mehr oder weniger Entwarnung. Für den normalen, erwachsenen Teetrinker und Honigkonsumenten (nicht schwanger, nicht stillend) gelten die heute noch vorhandenen Mengen als unbedenklich.

Welche Wirkung haben Pyrrolizidinalkaloide?

Die PA haben sich im Tierversuch zum Teil als krebserregend erwiesen. Sie wirken in höheren Mengen offenbar auch giftig auf die Leber. Das liegt an ihrem Necingerüst, das vor allem in den enthaltenen Stoffen Echimidin, Senecionin, Uplandicin und Senkirkin vorkommt. Diese Stoffe stellen den stärksten pflanzlichen Schutzschild gegen Fressfeinde dar. Möglicherweise schädigen diese Stoffe auch den menschlichen Embryo. Die Schädigung tritt vorrangig beim Abbau dieser Stoffe durch die Leber auf. Die Mengen müssten allerdings hierfür sehr hoch sein. Das bedeutet: Wer Tee und Honig in gewohnten Maßen zu sich nimmt, ist kaum bis nicht gefährdet. Dennoch wird die Wirkung von Pyrrolizidinalkaloiden in Kräutertees auch 2021 noch diskutiert. Nicht alle PAs sind per se toxisch, sondern nur diejenigen mit einer Doppelbindung im Grundgerüst.

Welche Bedeutung haben Pyrrolizidinalkaloide im Tee?

Um die Wirkung von PAs im Tee zu untersuchen, analysierten Forscher in den vergangenen Jahren verschiedene Teesorten. Im Fokus standen:

Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass innerhalb einer einzelnen Teesorte der Gehalt von PA in einzelnen Proben erheblich schwankt. Das könnte mit dem Boden und dem Klima beim Anbau, der Ernte und der Verarbeitung des Tees zusammenhängen. Deshalb gibt es mit Stand Ende 2020 keine sicheren Aussagen darüber, wie hoch das gesundheitliche Risiko von regelmäßigen Teetrinkern ist.

Eine akute Gesundheitsschädigung gilt aber als unwahrscheinlich. Sie dürfte allenfalls bei langfristigem Genuss von hohen Mengen möglich sein. Davon wären offenbar nur Kinder, Schwangere und Stillende betroffen. Dass PAs prinzipiell vorhanden sein können, gilt als erwiesen. Auch das ZDF-Wirtschaftsmagazin WISO ließ Proben nehmen und fand PA in 10 Proben von insgesamt 15 Sorten Kamillentee. Die Mengen schwankten wiederum sehr.

Als vollkommen unbedenkliche Verzehrempfehlung gilt eine Tasse Kräutertee pro Tag, während drei Tassen à 200 ml schon eine relativ hohe Menge für einen Erwachsenen mit einem Körpergewicht von 72 kg sind.

Bei Grüntee und Schwarztee gelten fünf Tassen am Tag als höhere und daher eventuell bedenkliche Menge hinsichtlich des PA-Gehalts. Das trifft auf Erwachsene zu. Das BfR rät daher vorerst, dass Eltern ihren Kindern Tee – vor allem Kräutertees – nur mäßig anbieten und ihn nicht zu hoch dosieren. Für Kinder gilt die Empfehlung, auf einen Liter Wasser nur einen Teebeutel zu verwenden. Noch besser wäre es, Kräutertees den Kindern nur bei deren Krankheit und in Absprache mit einem Kinderarzt anzubieten. Eine ähnliche Empfehlung gilt für Schwangere und Stillende. Tee sollte für diese Gruppen auch nicht das einzige Getränk sein. Wasser mit Gurkenstückchen oder Limettenscheiben, Fruchtschorlen und Früchtetees schmecken ebenso gut. Das Baby kann abgekochtes Leitungswasser erhalten. Darüber hinaus gibt es Mineralwasser, das extra für die Zubereitung von Babynahrung gekennzeichnet ist.

Pyrrolizidinalkaloide: Einstufung als Schadstoffe

Pyrrolizidinalkaloide sind nicht direkt als Schadstoff eingestuft, es handelt sich immerhin um vollkommen natürliche Inhaltsstoffe von Pflanzen. Sie wurden in Deutschland bislang vorrangig im Greiskraut (Jakobs-Kreuzkraut) sowie in Honig aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen festgestellt.

Die Untersuchungen zu den Teesorten sind noch sehr jung und basieren auf einem neuen methodischen Ansatz des BfR. Es konnte teilweise PA-Belastungen bis zu 3.430µg/kg Trockentee nachgewiesen werden. Die höchsten Werte fand das BfA in Melisse und Kamille.

In Ziegenmilch könnten PAs ebenfalls vorhanden sein, weil diese Pflanzen zum Ziegenfutter gehören. Da Ziegenmilch aber vermischt wird, gilt diese Gefahr als sehr gering. Bestenfalls in der Milch einer einzelnen Ziege könnte die PA-Belastung zu hoch ausfallen.

Kühe und Pferde reagieren auf PA äußerst empfindlich und fressen die betreffenden Pflanzen nicht. Daher gilt Kuhmilch als unbedenklich.

Gesetzliche Grenzwerte oder Regulierungen für PA in Tee und anderen Lebensmitteln gibt es bislang weder in Deutschland noch für die ganze EU. Hierfür sieht die (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) derzeit keinen Anlass, weist aber auf deren Gefahr bei hohem Konsum hin. Allerdings untersagen belgische Behörden schon länger die Verwendung von Rohstoffen aus Borretsch, es sei denn, PA wäre absolut nicht nachweisbar. Für pflanzliche Arzneimittel gibt es einen Grenzwert. Erlaubt sind 1 µg PA/Tag bei oraler Aufnahme sowie 100 µg PA/Tag bei äußerer Anwendung. Betreffende Arzneimittel dürfen jährlich für maximal sechs Wochen eingesetzt werden. Sollte eine längere Anwendung nötig sein, reduzieren sich die Grenzwerte auf 10 %. Bei Schwangeren und Stillenden ist die Anwendung diese Arzneimittel generell untersagt.


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