Unter den Schwarztees sticht eine Mischung durch ihren besonderen Geschmack hervor. Der Earl Grey Tee, ein Klassiker aus England. Schon vor dem ersten Schluck steigt seine fruchtig-frische Zitrusnote in die Nase und ein dezentes Aroma nach Zitrone schmeckt man dann auch. Alles Wissenswerte, von seiner Entstehungsgeschichte, über die Wirkung auf den menschlichen Körper, bis hin zur Zubereitung wird im nachfolgenden Text behandelt.

Was ist ein Earl Grey?

Earl Grey ist eine Mischung aus Schwarztee-Sorten, die mit dem Öl der Bergamotte aromatisiert wurde. Diese Aromatisierung ist das Besondere an dieser Mischung und unterscheidet ihn dadurch von anderen Schwarztees (mehr dazu, siehe aromatisierter Tee).

Ursprünglich kamen die Teeblätter aus China, heute werden auch Sorten aus Sri Lanka (ehemaliges Ceylon) und der Darjeeling aus einer Region in Indien verwendet. Die dunkle, fast schwarze Farbe des Tees entsteht durch einen Oxidationsprozess, der die Blätter haltbar macht. Erst dadurch konnten die Teeblätter die langen Reisen von China in die ganze Welt überstehen.

Die frisch gepflückten Teeblätter lässt man zuerst etwas welken. Anschließend werden sie unter schweren Rollen zerdrückt um die Zellen im Teeblatt zu öffnen. Die austretenden ätherischen Öle sorgen für den späteren unverwechselbaren Geschmack des schwarzen Tees. Durch die weitere Trocknung der Blätter verlieren diese immer mehr Flüssigkeit und erhalten im fortschreitenden Trockenprozess dann auch die typisch dunkle Farbe. Ist der gewünschte Grad der Trocknung erreicht, werden die dunklen Blätter mit dem Öl der Bergamotte besprüht, wodurch er sein besonderes Aroma erhält.

Die Bergamotte ist eine Pflanze, die aus der Kreuzung von Zitrone und Bitterorange entstand. Deren Früchte könnte man essen, wenn sie nicht so bitter und sauer schmecken würden. Daher wird die Bergamotte ausschließlich wegen ihrer ätherischen Öle angepflanzt. Ihr Aroma sitzt hauptsächlich in der Schale und wird für Parfüms und zur Aromatisierung von Lebensmittel eingesetzt. Unter anderem auch für den Earl Grey Tee. Erst diese Aromatisierung macht aus einem Schwarztee einen Earl Grey.

Abbildung einer Bergamotte, die verantwortlich für den charakteristischen Geschmack des Earl Grey Tees ist
Abbildung einer Bergamotte,
verantwortlich für den charakteristischen Geschmack
des Earl Grey Tees ist

Wer hat den Earl Grey erfunden?

Charles Grey, 2. Earl Grey
Charles Grey, 2. Earl Grey -
Namensgeber für den Tee Earl Grey

Es gibt viele Geschichten um die Entstehung des Earl Grey. Namensgeber war tatsächlich ein Earl namens Charles Grey, der Zweite, der von 1764 - 1845 in England lebte. Die erzählten Geschichten sind jedoch reine Vermutung, da es keine Beweise für die Richtigkeit gibt.

In der ersten Geschichte wartete der Earl eines Tages im Hafen auf seine Lieferung schwarzen Tees aus China. Als das Schiff anlegte, berichteten die Seeleute, das während eines Sturms ein Fass mit Bergamotteöl umfiel und sich der Inhalt auf den schwarzen Tee ergossen und ihn damit ruinierte hatte. Das war ein Schock, denn zu dieser Zeit war Tee sehr kostbar und teuer und es wäre daher ein großer Verlust für den Earl gewesen. Also testete er, ob die Lieferung doch noch brauchbar ist und bereitete einen Tee daraus zu. Vom Aroma war er so angetan, dass er fortan den aromatisierten Schwarztee als Earl Grey Tea anbot.

Oder wurde der Tee zu Ehren nach Charles Grey benannt, weil er in seinem Amt als Premierminister das Monopol der East-Indien-Kompanie aufhob und die Sklaverei in England verbieten ließ?

Vielleicht stimmt aber auch die letzte Geschichte. Diese handelt von seiner Frau Lady Mary Grey. Diese bot ihren Gästen einen Schwarztee an, den sie mit Bergamotteöl aromatisierte. Damit wollte sie den Geschmack des sehr kalkhaltigen Wassers in ihrem Anwesen überdecken. Diese Teezubereitung kam bei den Besuchern so gut an, dass sie immer wieder fragten, ob sie diese wohlschmeckende Mischung nicht verkaufen wolle.

Welche der vorgestellten Geschichten die wahre ist, lässt sich nicht abschließend klären, dafür fehlt ein Beweis. Nur der Namensgeber Earl Charles Grey, der Zweite steht wohl fest.

Der Earl selbst war ein sehr gebildeter Adliger und wurde schon in jungen Jahren zu einem bekannten Politiker. Aber er hat nie die Rezeptur und den Namen dafür patentieren lassen und so konnte und kann jeder eine eigene Mischung herstellen und sie unter dem Namen Earl Grey verkaufen. Die erste dokumentierte namentliche Erwähnung findet man in einer Zeitungsanzeige von 1850, in der für diesen Tee geworben wird.

Wie auch immer der Tee zu seinem Namen kam, er wurde sehr beliebt und verbreitete sich schnell im gesamten englischen Königreich und später in der gesamten Welt.

Übrigens: Earl Grey ist der Lieblingstee von Jean-Luc Picard, einer Hauptfigur der Fernsehserie Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert

Wirkung von Earl Grey

Schwarzer Tee enthält Koffein, auch unter dem Ausdruck Teein bekannt. Dabei enthält Tee etwa halb so viel Koffein wie Kaffee. Und obwohl Koffein und Teein chemisch gesehen, identisch sind, ergeben sich Unterschiede in der Wirkungsweise bei Tee und Kaffee. Das liegt an den Gerbstoffen im Teeblatt, die im Kaffee kaum vorhanden sind.

Die Wirkung des belebenden Koffeins im Tee tritt später ein, hält dafür aber länger an. Allerdings ist hier auch die Zubereitung, also die Ziehdauer, zu berücksichtigen. Je länger der Tee zieht, desto mehr Gerbstoffe werden aus den Blättern gelöst. Diese binden das Teein, das der Körper dann nicht nutzen kann. Es gilt also, je länger der Tee zieht, desto schwächer ist seine belebende Wirkung.

Ein weiterer Wirkstoff ist eine Aminosäure namens L-Theanin. Diese wirkt auf den Körper entspannend und löst Stress, ohne müde zu machen.

Das Zitrusaroma der Bergamotte wird über den Geruchs- und Geschmacksinn aufgenommen und gilt als stimmungsaufhellend.

Earl Grey Tee belebt also die Sinne und kurbelt Kreislauf und Stoffwechsel an und wirkt zusätzlich entspannend. Er kann also neue Energie liefern, um durch ein Mittagstief zu kommen oder um morgens munter zu machen.

Wie wird Earl Grey am besten zubereitet?

Es gibt viele Zubereitungsarten und es hängt vom eigenen Gusto ab, wie stark und intensiv der Tee am Ende schmecken soll. Die beschriebene Zubereitung zeigt daher nur eine Richtung und kann nach eigenem Belieben variiert werden.

Für einen guten Tee ist die Wasserqualität entscheidend. Sehr kalkhaltiges Wasser sollte daher gefiltert werden. Der Geschmack wird dadurch weicher, Aromen kommen besser zur Geltung und ein Kalkfilm auf dem fertigen Tee wird vermieden.

Im Allgemeinen wird empfohlen, Tees mit kochend heißem Wasser zu übergießen. Bei Schwarztee ist der anschließende Geschmack aber auch von der Temperatur abhängig und so lässt man das Wasser nach dem Kochen etwa eine Minute abkühlen. Erst dann übergießt man die Teeblätter damit.

Für 250 ml braucht man einen gehäuften Teelöffel Teeblätter. Diese sollten genug Platz haben, um zu schwimmen, damit sich deren Aromen im Wasser lösen können. Eine Ziehzeit zwischen 2 und maximal 3 Minuten ist ideal. Lässt man die Blätter länger im Wasser, schmeckt der Tee bitter.

Der zubereitete Tee wird am besten pur getrunken, damit die Aromen der Blätter und der Bergamotte gut zur Geltung kommen. Ist der Geschmack zu stark, bereitet man den Tee auf die englische Art zu. Also ganz klassisch mit Milch (siehe hierzu auch Tee mit Milch). Auch Zucker oder Honig können hinzugefügt werden. Alles möglichst sparsam dosiert, damit das besondere Aroma, dass den Earl Grey ausmacht, noch wahrgenommen wird.

Eine dünnwandige Tasse aus Porzellan unterstreicht den feinen Geschmack des Tees.

Durch die kurze Ziehzeit und die Aromatisierung mit Bergamotteöl schmeckt der Tee etwas milder als andere Schwarztees. Daher ist er für Menschen geeignet, die den schwarzen Tee erst kennenlernen wollen oder denen andere Schwarztees zu stark sind.


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