Wir kennen bereits viele Teesorten: unterschiedlich schmeckende Schwarztee-Sorten aus Ceylon (siehe auch Ceylon-Tee), Indian, Assam und China, zahlreiche grüne Teesorten aus China, Korea und Japan, außerdem weiße Teesorten. Weiterhin finden sich zahlreiche Kräutertee- und Früchtetee-Variationen. Tee kann in purer Form oder als aromatisierter Tee genossen werden. Zum Aromatisieren können künstliche Aromen, Blütenteile, Kokosflocken oder Fruchtstücke dienen.

Schwarztee wird je nach Tee-Sorte mit Milch und Zucker bzw. Kandis oder Zitrone genossen. Schwarztees können außerdem mit einem Schuss Rum und Sahne getrunken werden. Außerdem gibt es noch einige spezielle Tee-Sorten, die aus verschiedenen Zutaten bestehen. Es sind also nicht nur die genannten Teesorten enthalten, sondern auch aromatische Kräuter und Gewürze. Dann gibt es noch Medizinaltees. Diese spielen beispielsweise in der Traditionellen Chinesischen Medizin oder Naturheilkunde eine Rolle.

An Medizinaltees werden hohe Ansprüche gestellt. Die heilwirksamen Inhaltsstoffe solcher Teesorten müssen in höherer Dosis vorliegen als bei einem Genussmittel-Tee. Alle genannten Teesorten erfreuen sich großer Beliebtheit. Man genießt sie rund um die Uhr und in aller Welt. Vom zarten "Tai Mu Long Tsu" Jasmin-Tee bis zum kräftig-malzigen Assam-Tee reicht die Geschmackspalette. Tee wird vor allem wegen seines Genusswertes und seiner anregenden Eigenschaften getrunken. Die britische "Teatime" ist ein genauso unverzichtbarer Ausdruck von Lebensstil und Teekultur wie die japanische Teezeremonie.

Doch wo ordnet sich nun der gelbe Tee ein und was ist überhaupt gelber Tee? All das erfährst du nachfolgend.

Was ist gelber Tee?

Gelber Tee wird wegen seines geringen Fermentationsgrades von maximal 20 Prozent zwischen den halb fermentierten Oolong-Tees und den weißen Teesorten eingeordnet. Die Sortenvielfalt ist beim gelben Tee nicht so beeindruckend wie bei allen anderen Teesorten. Auch die erhältlichen Mengen im Handel sind eher gering. Der Grund liegt in der Geschichte der Gelbtees. Diese Teesorten waren einst dem chinesischen Kaiserhaus vorbehalten. Daher verbleiben bis heute die meisten Ernteerträge für Gelbtee in China.

Gelbtees gelten als sehr Vitamin- und Antioxidantien-reich. Sie haben einen etwas geringeren Koffeingehalt. Als schwach fermentierter Tee regt Gelbtee die Produktion von Magensaft an. Das wirkt positiv auf die Verdauung aus. Die wenigen gelben Teesorten gelten als besonders bekömmlich und erlesen. Der Geschmack gelber Teesorten wird je nach Sorte als leicht nussig, manchmal auch schokoladig, fruchtig oder kastanienartig beschrieben.

Geschichte hinter dem gelben Tee

Mit der Ming-Dynastie, die vom 14. bis ins 17. Jahrhundert dauerte, kamen die gelben Tees zu Ehren. Die Farbe Gelb war seinerzeit dem chinesischen Kaiser vorbehalten. Seither wird der als "Kaisertee" bezeichnete "Junshan Yinzhen" nach alter Tradition auf einer der Junshan-Inseln hergestellt. Das Herstellungsverfahren galt jahrhundertelang als geheim. Es wurde angeblich nur von Mönchen durchgeführt. Heute weiß man, dass Gelbtees nur aus den feinen Spitzen der Teeblätter hergestellt wird. Ein Kilogramm Blattknospen ergeben daher lediglich 200 Gramm gelben Tee. Mythen ranken sich um diesen kaiserlichen Tee bis heute.

Einige Gelbteesorten enthalten auch die Stängel vom Teeblatt. Während Grüntee nach dem Erhitzen und Dämpfen sofort weiterverarbeitet wird, gilt das für gelbe Teesorten nicht. Diese ruhen nach dem Dämpfen eine Weile. Die Teeblätter werden dafür in Stoff oder Spezial-Papier gewickelt. Nach der Ruhephase werden die Teeblätter je nach Sorte ein- oder mehrmals getrocknet. Der komplexe Verarbeitungsprozess dauert insgesamt 72 Stunden. Er beinhaltet meist acht Verarbeitungsschritte:

Ein Fermentierungsprozess findet dabei kaum statt. Er wird sogar absichtsvoll ausgeschaltet. Die lange Phase der Ruhe hat die typische Einfärbung des Gelbtees zur Folge. Auch in der Tasse entwickelt dieser Tee seine intensiv honiggelbe Farbe. Gelbtee wurde ehemals ausschließlich an den chinesischen Kaiserhof geliefert. Angebaut wurde er zunächst ausschließlich in der Provinz Hunan.

Woher kommt gelber Tee?

Das traditionelle Anbaugebiet für gelbe Teesorten lag rund um den Dongting-See, der in Hunan liegt. Die dort lebenden Menschen befassten sich neben Fischerei und Landwirtschaft mit dem Tee-Anbau. Dieser wurde vor allem auf den kleinen Inseln im Dongting-See vorgenommen. Der Grund für diese Wahl lag im Klima. Der Dongting-See wird während dreier Jahreszeiten in Nebelschwaden eingehüllt. Die Seenplatte bietet damit ein optimales Klima für den Tee-Anbau: mild und subtropisch mit Durchschnittstemperaturen von 16 Grad Celsius und einer ansehnlichen Menge an Regen. Der sandig-schlammige Boden der Region ist für den Tee-Anbau ideal, weil er sehr fruchtbar ist.

Wirkung von gelbem Tee

Gelbe Teesorten gelten als verdauungsförderlich, weil sie die Produktion von Magensäure anregen. Daher werden Gelbtees vorzugsweise genossen, wenn Verdauungsbeschwerden vorliegen. Man trinkt sie, wenn jemand eine Diät durchführt, fastet oder entschlacken möchte. Entgiftungskuren oder Darmsanierungen sind weitere Anwendungsgebiete. Gelber Tee ist reich an Antioxidantien. Diese wirken im Organismus gegen aggressive freie Radikale, die durch Stoffwechselprozesse während der Verdauung entstehen.

Da im Darmbiom große Anteile des menschlichen Immunsystems angesiedelt sind, profitiert auch das Immunsystem vom Genuss gelber Teesorten. Vor allem das regelmäßige Trinken von Gelbtee verspricht laut chinesischer Ansicht ein starkes Immunsystem. Gelbtees sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Folsäure. Sie enthalten außerdem viele Catechine und Polyphenole. Catechine verzögern die Einlagerung von Nahrungsfetten. Sie sind daher bei Diäten und Fastenkuren sehr nützlich. Polyphenole sind aromatische Pflanzenstoffe, denen auch im menschlichen Organismus eine schützende Wirkung zugeschrieben wird.

Die Chinesen genießen gelbe Teesorten außerdem zur Entspannung. Sie trinken Gelbtee beim Tai Chi oder bei Yoga-Übungen. Der Koffeingehalt von Gelbtees sorgt für eine belebende Wirkung, ohne den Organismus zu stressen. Die koffeinärmste Gelbteesorte ist der nussige schmeckende "Kekecha". Er ist in China sehr beliebt. Kekecha stammt aus Anbaugebieten in Guangdong. Auch in Europa erfreut sich der Kekecha hoher Beliebtheit.

Gelbe Teesorten kurz vorgestellt

Seit 1959 gelten zwei gelbe Teesorten laut einem offiziellen Komitee zu den "10 guten Teesorten": die Gelbtee-Sorte "Junshan Yinzhen" aus der Dongting-Seenplatte in Hunan und der "Mengding Huangya". Er wird auch als "Xiancha" oder "Göttertee" bezeichnet und stammt aus dem Mengshan-Gebirge in Yunnan. Diese beiden gelten als die edelsten Gelbtees überhaupt.

Es gibt aber auch noch andere Gelbtee-Sorten, beispielsweise:

Diese Gelbtees stammen teils aus anderen chinesischen Provinzen, etwa Szechuan oder Zhejiang. Im europäischen Teehandel finden sich von den oben genannten Gelbtee-Vertretern nur der "Kekecha" und der "Huang Da Cha". Die anderen Sorten sind extrem selten zu finden. Sie gelten auch wegen der wenigen Anbaugebiete, der aufwendigen Herstellungsverfahren und der geringen Produktionsmengen als exklusive Genüsse. Man findet sie kaum je außerhalb Chinas im Verkauf.

Zubereitung des gelben Tees

Im Prinzip wird ein gelber Tee ähnlich behandelt wie ein grüner oder weißer Tee. Gelbtee darf nicht mit kochendem Wasser übergossen werden. Er verliert dadurch an Aroma. Die optimale Wassertemperatur für gelbe Teesorten liegt bei maximal 80 bis 90 Grad Celsius. Gegebenenfalls nutzen Tee-Kenner ein Thermometer. Sie lassen das siedende Teewasser auf exakt 80 Grad herunterkühlen.

In China trinkt man Gelbtees traditionell aus einer tönernen Yixing-Teekanne oder einer Deckel-Teeschale mit der Bezeichnung "Gaiwan". Da man gelbe Tees mehrfach aufgießen kann, lässt man die drei ersten Aufgüsse oft nur 10 bis 30 Sekunden ziehen. Die Ziehzeit hängt aber auch von der Menge des Tees, der Sorte und der Wassermenge ab. Gelbe Teesorten werden nicht bitter, auch wenn sie länger gezogen haben. Dennoch beachtet ein Chinese immer, dass die ersten fünf Aufgüsse nie länger als eine halbe bis ganze Minute ziehen.

Wie oft ein Gelbtee aufgegossen wird, ist Geschmackssache. Traditionell trinken die Chinesen ihre Gelbtees in einer innen weißen Tasse. In dieser kommt der satte Gelbton besonders gut zur Geltung. Die Faustregel für das Verhältnis von Gelbtee-Blättern und Wasser lautet: 10 bis 12 Gramm Tee auf einen Liter Wasser. Individuelle Vorlieben bezüglich der Stärke oder des Geschmacks können nach anderen Verhältnissen verlangen.

Weiteres Wissenswertes zum gelben Tee

Wer nun neugierig geworden ist und einmal einen gelben Tee probieren möchte, sollte sich einen guten Teehändler suchen. Unseriöse Händler bieten nämlich gelegentlich preiswerte Grüntees zu überhöhten Preisen als Gelbtees an. In China geht das Wissen um die Herstellung der gelben Teesorten langsam verloren. Wenn die alten Tee-Meister, die das komplexe Herstellungsverfahren noch beherrschen, es nicht weitergeben, wird es vielleicht irgendwann keinen gelben Tee mehr geben.

In Südkorea wird ebenfalls ein gelber Tee hergestellt. Der echte Gelbtee stammt aber aus den genannten Anbaugebieten im chinesischen Hunan und Yunnan. Der südkoreanische Gelbtee wird nicht in einem so aufwendigen Prozess hergestellt wie der chinesische Kaisertee. Die Legende besagt, dass auch Mao Tse Tung ein Freund gelber Teesorten war. Mao liebte Gerüchten zufolge vor allem den Gelbtee, der auf der Insel "Jun Shan" angebaut wurde. Die Insel ist nur einen Kilometer breit. Sie wird ganzjährig von Nebelbänken eingehüllt. Hier werden alljährlich 500 Kilogramm Gelbtee erzeugt.

Dank der geringen Herstellungsmenge gilt dieser Gelbtee als besonders edel, teuer und exklusiv. Der Mann, der die chinesische Kulturrevolution auslöste, wusste exklusive Teegenüsse durchaus zu schätzen. Seinem Volk gönnte er diese aber nicht.